Politik

Taifun auf den Philippinen fordert 10.000 Tote

Lesezeit: 2 min
10.11.2013 19:43
Nach dem Taifun „Haiyan“ mit mehr als 10.000 Toten regiert im Katastrophengebiet der Philippinen das Chaos. Überlebende suchten am Sonntag verzweifelt nach Angehörigen und Nahrung. Rettungsteams konnten auch zwei Tage nach einem der schwersten Stürme aller Zeiten längst nicht in alle betroffenen Regionen vordringen. Augenzeugen berichteten von Plünderungen, das Rote Kreuz von Überfällen auf Hilfskonvois. Die Polizei schickte Verstärkung.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Hohe Wellen hätten ganze Küstenorte weggeschwemmt, teilte die Polizei mit. Die meisten Opfer ertranken in den Wassermassen, die sich mit zahlreichen Trümmerteilen einem Tsunami gleich den Weg ins Landesinnere bahnten. Internationale Hilfe lief an, Caritas und Unicef riefen zu Spenden auf. Deutschland stellte zunächst 500.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung, wie Außenminister Guido Westerwelle sagte.

Papst Franziskus betete für die Opfer des Sturms und kündigte Unterstützung für die Menschen in dem mehrheitlich katholischen Land an. Die USA schickten Soldaten, die bei der Suche nach Vermissten und bei Rettungsaktionen helfen sollen.

Augenzeugen erlebten den Taifun „wie einen Weltuntergang“. Auf den Straßen und unter eingestürzten Häusern lagen Hunderte Leichen in den Straßen. Auf Fernsehbildern waren Kinder zu sehen, die sich auf Hausdächern festklammerten. Umgeknickte Strommasten und Bäume blockierten die Straßen. Helfer konnten die Überlebenden daher nur schwer mit Lebensmitteln versorgen. Augenzeugen berichteten von Plünderungen, das Rote Kreuz von Überfällen auf Hilfskonvois.

Der Super-Taifun habe auf seinem Weg durch die Provinz Leyte eine Schneise fast völliger Zerstörung geschlagen, sagte der regionale Polizeipräsident Elmer Soria. Allein in der Region gibt es mehr als 10.000 Tote.  Innenminister Manuel Roxas machte sich aus dem Hubschrauber ein Bild von dem Ausmaß der Katastrophe. „Mir fehlen die Worte, es ist schrecklich“, sagte er. „Von der Küste bis zu einem Kilometer ins Landesinnere steht so gut wie nichts mehr. Es ist wie nach einem Tsunami.“

So ordnete auch Sebastian Rhodes Stampa, UN-Chefkoordinator für Katastrophen-Einsätze, die verheerenden Schäden auf den immer wieder von Taifunen heimgesuchten Philippinen ein: „Etwas von einer solchen Größenordnung habe ich das letzte Mal nach dem Tsunami im Indischen Ozean gesehen.“ Ein Mitarbeiter des Flughafens von Tacloban berichtete von Zuständen wie bei einer der gefürchteten Riesenwellen. „Ich habe mich ungefähr eine Stunde lang an einen Pfahl geklammert, während der Sturm Regen und Meerwasser durch den Flughafen gepeitscht hat.“ Einige seiner Angestellten hätten auf Bäumen ausgeharrt. „Ich habe die ganze Zeit gebetet, bis das Wasser zurückgewichen ist.“

Aus Deutschland schickten Hilfsorganisationen ein Transportflugzeug mit rund 25 Tonnen Hilfsgütern in das Katastrophengebiet – darunter 5400 Decken und 3000 Planen für Notunterkünfte. Die Hilfe kam zustande, weil die Lufthansa Platz im Frachtraum einer ohnehin nach Manila fliegenden Maschine zur Verfügung stellte.

Der Sturm war am Freitag mit Windstärken von mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Inselstaat in Südostasien hinweggefegt und ist damit einer der stärksten Taifune, die jemals auf Land trafen. Der Taifun trieb rund Hunderttausende Menschen in die Flucht, nachdem der philippinische Präsident Benigno Aquino die Bürger zum Verlassen der am stärksten gefährdeten Gebiete aufgefordert hatte. Bundespräsident Joachim Gauck sprach Aquino sein Beileid aus.

Inzwischen zog der Taifun deutlich abgeschwächt nach Vietnam weiter. Dort kostete er staatlichen Medien zufolge bereits sechs Menschen das Leben, während er sich noch auf die Küste zubewegte. Obwohl „Haiyan“ an Kraft verloren hat, dürfte er auch in Vietnam durch Starkregen und schweren Sturm Überschwemmungen und Erdrutsche verursachen. Der Regierung zufolge sind bereits fast 900.000 Menschen geflohen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Wie die USA schlafmützig den Munitionsnachschub für die Ukraine gefährden
22.02.2024

Die Ukraine muss sich gerade an mehreren Abschnitten der Kriegsfront mit Russland zurückziehen, weil ihren Truppen die Munition für ihre...

DWN
Politik
Politik „Wir brauchen in Deutschland endlich einen Befreiungsschlag“
21.02.2024

Die Bundesregierung hat ihren Jahreswirtschaftsbericht veröffentlicht und dabei ihre Wachstumsprognose nach unten korrigiert: nämlich von...

DWN
Politik
Politik Europa ist anfällig für "Teile-und-Herrsche-Strategie" der Großmächte
21.02.2024

Werden Deutschland und die EU Opfer einer zunehmenden Rivalität zwischen den USA und China? Geraten sie zwischen die Fronten? Und wie kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: EZB versucht, Banken zu beschwichtigen
21.02.2024

Der Bankensektor sieht im digitalen Euro eine Gefahr für sein Geschäftsmodell. Die EZB versucht diese Sorgen mit Gegenargumenten zu...

DWN
Politik
Politik Effektivität zweifelhaft: EU setzt auf neue Finanz-Sanktionen gegen Russland
21.02.2024

Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Überfalls auf die Ukraine hat die Europäische Union ihr 13. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen....

DWN
Politik
Politik Zickenalarm: Richtungsstreit im Rat der Wirtschaftsweisen
21.02.2024

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm soll aus dem Rat der Wirtschaftsweisen geschasst werden. Hintergrund ist ein vermeintlicher...

DWN
Immobilien
Immobilien Raumgreifend: Der Bundestag dehnt sich weiter aus und wird immer teurer
21.02.2024

Das Bundesamt für Raumordnung und Bauwesen (BBR) hat den Architektenwettbewerb im sogenannten Luisenblock-Ost im Hauptstadt-Viertel...

DWN
Immobilien
Immobilien 600.000 zu wenig: Der Wohungsnotstand spitzt sich zu
21.02.2024

Der Wohnungs-Notstand in Deutschland hat einen neuen Höchstwert erreicht. Die hohen Zinsen sind der Hauptfaktor, aber es hapert an vielen...