Deutschland

Gauweiler: Alle Goldbestände müssen nach Deutschland gebracht werden

Noch immer bestehe keine Sicherheit, ob die großen Mengen der deutschen Goldbestände überhaupt noch in den Lagerstätten im Ausland vorhanden seien, warnt der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler im Interview mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Bundesbank steht in einer Bringschuld und müsse nun das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen.
16.01.2013 01:22
Lesezeit: 1 min

Aktuell:

Bundesbank will kein Gold mehr in Paris lagern

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Herr Gauweiler, am Mittwoch will die Bundesbank ein Konzept vorlegen, dass Auskunft darüber geben soll, wo in Zukunft die Goldreserven gelagert werden sollen. Glauben Sie, dass es tatsächlich zu einer umfangreichen Darlegung kommen wird?

Peter Gauweiler: Die Bundesbank hat hier eine Bringschuld. Sie muss klar machen, dass sie sich bei der Bilanzierung der immer noch im Ausland gelagerten deutschen Goldbestände in Zukunft an die Vorgaben des Bundesrechnungshofs hält.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was könnten die Beweggründe der Bundesbank sein, nun Stellung zu beziehen?

Peter Gauweiler: Das weiß ich nicht. Sie wird vor allem deutlich machen wollen, dass die von ihr im Ausland gelagerten deutschen Goldreserven überhaupt noch da sind, nicht verliehen wurden und sich nicht in bloße Goldforderungen aufgelöst haben, also nur noch Papiergold sind.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Birgt eine konkrete Veröffentlichung bezüglich der Zukunft der Lagerung der Goldreserven nicht auch ein Risiko?

Peter Gauweiler: Nein. Angesichts der Tatsache, dass die Bundesbank nach den Feststellungen des Bundesrechnungshofs bei der Bilanzierung der im Ausland gelagerten deutschen Goldreserven jahrelang gegen Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung verstoßen hat, ist zur Wiedergewinnung des Vertrauens der Bevölkerung eine glaubwürdige öffentliche Darstellung der Aufbewahrung und Prüfung der deutschen Goldbestände unabdingbar.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Bundesbank soll mittlerweile planen, die Goldreserven aus Paris gänzlich abzuziehen.  Elf Prozent der deutschen Goldbestände lagern in der Banque de France. Begrüßen Sie diese Vorgehensweise?

Peter Gauweiler: Ja, unbedingt. Allerdings wäre es zur Vermeidung von Missverständnissen mit Paris besser gewesen, die Bestände in London und New York entsprechend zeitgleich ebenfalls abzubauen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was macht New York oder London zu einem besseren Standpunkt für die die Goldbestände der Bundesbank?

Peter Gauweiler: Nichts. Die Standorte sind schlechter als in Deutschland, da es der Bundesbank nach eigenem Bekunden bisher verwehrt ist, die jährlichen Prüfungen dieser Bestände so durchzuführen wie in ihrem Tresor in Frankfurt. Das mit einer Goldverwahrung im Ausland für die deutsche Währungsreserve eingegangene Logistik-, Transfer- und Herausgaberisiko ist mit diesem Hinweis noch gar nicht erfasst.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Hat die Bundesbank überhaupt genug Flächen zur Lagerung des zurückgeholten Goldes?

Peter Gauweiler: Insgesamt geht es um 2000 Tonnen Gold zusätzlich. Eine Tonne Gold entspricht einem Quader von 40 Zentimetern. Das sollte zu schaffen sein.

Weitere Themen

Helikopter stürzt über Zentrum in London ab

EU-Rechnungshof: Gebäude-Dämmung zu teuer und nutzlos

ESM-Chef: Euro-Rettung kostet Deutschland erstmals richtig Geld

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Technologie
Technologie Arbeitsmarkt: Top-Berufe, die es vor 20 Jahren noch nicht gab
31.03.2025

Eine Studie von LinkedIn zeigt, wie Künstliche Intelligenz (KI) neue Jobs und Fähigkeiten schafft, Karrieren und Arbeitswelt verändert:...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Kurs knickt nach Orcel-Aussage deutlich ein
31.03.2025

Die Commerzbank-Aktie muss nach einer starken Rallye einen Rückschlag hinnehmen. Unicredit-Chef Andrea Orcel hatte zuvor einen möglichen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU vor Herausforderungen: Handelskriege könnten die Wirtschaft belasten – der Ausweg heißt Binnenmarkt
31.03.2025

Die protektionistischen Maßnahmen der USA und mögliche Handelskonflikte belasten die EU-Wirtschaft. Experten wie Mario Draghi fordern...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betonblock: Lego verklagt Hersteller von Anti-Terror-Betonklötzen
31.03.2025

Lego verklagt das niederländische Unternehmen Betonblock. Die Anti-Terror-Blöcke des Herstellers erinnerten zu sehr an die...

DWN
Technologie
Technologie Neue EU-Vorschriften: Plug-in-Hybriden drohen deutlich höhere CO2-Emissionen
31.03.2025

Mit der Einführung neuer, verschärfter Emissionsmessungen für Plug-in-Hybride (PHEVs) wird die Umweltbilanz dieser Fahrzeuge erheblich...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen wegen Veruntreuung zu Fußfesseln verurteilt - FN-Chef Bardella: "Hinrichtung der französischen Demokratie"
31.03.2025

Marine Le Pen wurde in Paris wegen der mutmaßlichen Scheinbeschäftigung von Mitarbeitern im Europaparlament schuldig gesprochen - das...

DWN
Technologie
Technologie Balkonkraftwerk mit Speicher: Für wen sich die Investition wirklich lohnt
31.03.2025

Balkonkraftwerk mit Speicher: eigenen Strom gewinnen, speichern und so Geld sparen. Doch so einfach ist es leider nicht, zumindest nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Der Handelskrieg gefährdet die US-Ausnahmestellung
31.03.2025

Da Investitionen nach neuen Möglichkeiten abseits der zuletzt florierenden US-Finanzmärkte suchen, wird an der Wall Street diskutiert, ob...