Finanzen

Wegen Finanzkrise: Nachfrage nach islamischen Bonds steigt

Besonders für europäische Investoren werden die so genannten Sukuks zunehmend interessanter angesichts der andauernden Finanz- und Schuldenkrise. Besonders die Verknüpfung mit der Realwirtschaft bei dieser Art der Anleihe ist gern gesehen.
14.02.2013 00:03
Lesezeit: 2 min

In den vergangenen Monaten ist die Nachfrage nach islamischen Anleihen, so genannten Sukuks deutlich gestiegen, berichtet die Tageszeitung Today's Zaman. Ein gutes Geschäft für islamische Banken. Entsprechend kommt es derzeit verstärkt zur Emission von Sukuks durch islamische Beteiligungsbanken. „Nachrangige islamische Anleihen würden den Banken helfen das Ungleichgewicht zwischen den Laufzeiten ihrer Verbindlichkeiten und Vermögensgegenständen zu lösen. Gleichzeitig würden den Banken mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen“, so der Chef der Finanzabteilung von der türkischen Bank Asya, İbrahim Öğüdücü.

Doch die Nachfrage nach Sukuks ist auch in den nicht-islamischen Investoren gestiegen. Die Sukuk zahlen Rendite und entsprechen mit ihrem Risikoprofil meist dem einer Anleihe aus Schwellenländern. Angesichts der Schulden- und Finanzkrise sind sie eine gute Alternative , da hier eine grundsätzliche Verknüpfung mit der Realwirtschaft besteht. Eine Studie von Ernst & Young von September 2012 kommt zu dem Schluss, dass die Nachfrage weltweit bis 2017 der Sukuks vom derzeitigen Volumen von 300 Milliarden Dollar auf 900 Milliarden Dollar steigen kann. „Der erwartete Anstieg wird wahrscheinlich durch eine Zunahme des Interesses von konventionellen Investoren getrieben werden - wie Fondsmanagern, Finanzinstituten und reichen Privatanlegern, so der Bericht.

Aber auch Investoren aus Malaysia und den islamischen Golfstaaten sind interessiert an den Sukuks. In der Türkei beispielsweise gibt es derzeit vier islamische Beteiligungsbanken. Zu ihnen gehören neben der Bank Asya auch die Kuveyt Türk, die Türkiye Finans und die Albaraka Türk. In der zweijährigen Geschichte des türkisch-islamischen Bankwesens wurden bisher allerding nur zwei Sukus emittiert. Beide Sukuks wurden von der Kuveyt Türk herausgegeben und hatten einen Wert von 450 Millionen Dollar. Die Bank Asya wird im ersten Quartal 2013 ebenfalls einen Sukuk im Wert von 200 bis 300 Millionen Dollar veräußern. Albaraka Türk hat ebenfalls angekündet, dass man eine Sukuk-Emission plane.

Der Europa, Nahost- und Afrika-Chef (EMEA) der Citigroup, Alberto Verme, hatte bereits 2012 im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet gesagt, dass sie mit den Regierungen von Bahrain und Katar in Verhandlungen getreten sind, um sich am islamischen Bankenwesen zu beteiligen. Vor allem die Türkei sei ein sehr interessanter Wachstumsmarkt für seine Bank. Sukuks bereichern die Auswahl von Anleihen für die Kunden. Alternativen werden geschaffen“, sagte  Alberto Verme.

Häufig beruht die Struktur der Sukuk auf einem Sale/Leasback-Prinzip (Verkauf und Rückmietkauf). Insgesamt gibt es im islamischen Bankenwesen fünf verschiedene Hauptarten der Sukuks. Die Sukuk al-murabaha beispielsweise ist ein Kauf- und Rückkaufvertrag, bei dem ein Kunde einen Sachgegenstand von der islamischen Bank erwerben möchte. Zu Beginn des Kaufs wird zwischen der Bank und dem Kunden ein Rückkaufpreis für den verkäuflichen Sachgegenstand festgelegt, was auch die Kosten der Bank beinhaltet. Wertsteigerungs- und Risikozuschlag sind in diesem Preis enthalten.

Beim Sukuk al-idschara hingegen liegt ein Leih-oder Leihkaufvertrag vor. Dieser Sukuk ähnelt einem Pachtvertrag, denn die Bank bleibt Eigentümer des Vermögensgegenstandes und trägt alle Risiken. Der Vermögensgegenstand wird mit einer zeitlichen Befristung an den Kunden verliehen und der Kunde muss eine festgelegte Pacht zahlen. Liegt jedoch ein Leihkaufvertrag vor, gelten die Pachtzahlungen als Abzahlung des Vermögensgegenstandes bis zum kompletten Erwerbszeitpunkt durch den Kunden. Nutzungsdauer und Wert des Vermögensgegenstandes werden vorher festgelegt.

Der Sukuk al-muscharaka ist im Gegensatz zu den anderen Sukuk-Arten ein Gewinn- und Verlustvertrag, wonach die Bank und der Kunde das Eigentum gemeinsam erwerben. Die Haftung beschränkt sich auf die Einlagen.

Bei der fünften Sukuk-Kategorie, Sukuk al-mudaraba, geht es um die Aufnahme von Eigenkapital. Dabei wird das Eigentumsrecht an einem bestimmten Projekt für dessen Finanzierung der Sukuk emittiert wurde, verbrieft. Der Sukuk al-mudaraba findet seine Anwendung vor allem bei Großprojekten. Mehrere Parteien beteiligen sich mit Einlagen in verschiedenen Höhen und erhalten Gewinnanteile entsprechend ihrer Einlagen.

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