Krisen-Vorsorge: Deutscher Mittelstand hortet 87 Milliarden Euro

 

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02.12.2013 12:50
Die deutschen Mittelständler halten Liquidität im Unternehmen - sehr zum Verdruss der Banken. Doch viele Unternehmen wollen keine schlechtere Eigenkapitalquote. Sie wollen nicht in dieselbe Falle tappen wie die Banken.
Krisen-Vorsorge: Deutscher Mittelstand hortet 87 Milliarden Euro

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Durch unterschiedliche Maßnahmen könnten 87 Milliarden bisher ruhender Kapitalreserven in arbeitendes Kapital umgewandelt werden. Für diese Studie untersuchte die Unternehmensberatung Roland Berger 2.700 Unternehmen im Zeitraum 2010 bis 2012.

Aufgrund guter Konjunkturausblicke würden mittelständische Unternehmen im Jahr 2014 mehr investieren, heißt es in der Studie. Das größere Investitionsvolumen führe zu einem steigenden Kapitalbedarf. Zusätzlich belasteten noch ausstehende Refinanzierungen aus der Zeit der Finanzkrise die Unternehmen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Studie eine Optimierung der Verwaltung.

Als Hauptproblem bezeichnet die Studie die lange Kapitalbindungsdauer – insbesondere in der Bekleidungsindustrie: Hohe Lagerbestände und suboptimales Inventarmanagement führten zum Anwachsen inaktiver Vermögen. Die Umfrage ergab, dass 44 Prozent des Potenzials an Liquidität durch den Abbau von Vorräten freigesetzt werden könnten, gefolgt von verbessertem Kundenforderungsmanagement (35%) und verbesserten Konditionen bei Lieferantenverbindlichkeiten (21%).

„Um das künftige Wachstum nicht durch fehlende Liquidität zu gefährden, bedarf es einer gezielten Optimierung des Working Capital Management. So könnte der deutsche Mittelstand eine Liquidität von 87 Milliarden Euro freisetzen“, so Sascha Haghani, Leiter des Kompetenzzentrums „Restructuring & Corporate Finance“.

Nicht nur die Innenfinanzierung, sondern auch der Erwerb von Finanzhilfen auf dem Kapitalmarkt fällt finanziell effizient verwalteten Unternehmen leichter. „Profitablere Firmen bekommen am Kapitalmarkt leichter Zugang zu Working Capital-Finanzierungen“, sagt Haghani. Allerdings würden solche Firmen ihrerseits dazu verleitet, sich stärker über Fremdkapital zu finanzieren und die Reduktion von Kapitalbindung zu vernachlässigen.

Außerdem sieht die Studie einen Zusammenhang zwischen schwacher Bonität und hoher Kapitalbindung: Je schlechter die Bonität, desto länger die Zeiträume für die Begleichung von Lieferantenverbindlichkeiten. „Vor allem Unternehmen mit geringer Bonität müssen ihr Lagermanagement drastisch verbessern, da hier am meisten Liquidität freigesetzt werden kann“, so Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung des Inkasso-Unternehmens Creditreform.

Die betroffenen Unternehmen sind sich dieses Potenzials offensichtlich bewusst: 55 Prozent der befragten Körperschaften planen Optimierung bei Vorräten, 46 Prozent beim Kundenforderungsmanagement und 45 Prozent bei der Bedienung von Lieferantenverbindlichkeiten.

Für Unternehmen gilt jedoch, den Fehler zu vermeiden, den die Banken vorgemacht haben. Durch niedrige Eigenkapitalquoten sind sie anfällig für Liquiditätsengpässe. Unternehmen, die eine solide Rücklagenverwaltung und optimierte Finanzprozesse aufweisen, sind aber nicht einmal auf Banken angewiesen.

Immer mehr Mittelständler finanzieren ihre Investitionen selbst und scheuen vor der Aufnahme von Krediten zurück.



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