Deutschland

Deutschland: Mittelstand muss mit höheren Steuern für Euro-Krise zahlen

Lesezeit: 1 min
22.11.2013 23:22
Deutsche Unternehmen müssen mehr Steuern und Abgaben zahlen als die internationale Konkurrenz. Steuer- und Abgabenquote und Steuerbürokratie wurden in einer Studie weltweit verglichen. Deutschland fällt im Steuer-Ranking um 17 Plätze. Die deutschen Unternehmen werden am meisten geschröpft - um die Kosten für die Euro-Rettung zu übernehmen.

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Weltweit sinkt die Steuer- und Abgabenlast für mittelständische Unternehmen. Nur in Deutschland nicht. Diese Mehrbelastungen setzen den Mittelstand unter Druck, wie die Studie „Paying Taxes 2014“ von PricewaterhouseCoopers (PwC) belegt. Dafür wurden die Steuerbelastungen und Steuerbürokratie eines fiktiven Modellunternehmens mit 60 Mitarbeitern und mehreren Gesellschaftern international verglichen.

Die Gesamtbelastung – also der Anteil aller Steuern und Abgaben am Gewinn – ist von 46,8 Prozent im Jahr 2012 auf 49,4 Prozent in diesem Jahr gestiegen. Im weltweiten Steuerranking unter 189 Ländern fällt Deutschland um viele Plätze zurück: Von Platz 72 auf Platz 89. Andere EU-Länder platzieren sich weiter vorn: Finnland (Platz 21), Niederlande (Platz 28) oder Frankreich (Platz 53).

EU-weit ist die Steuer- und Abgabenquote in nur sieben Ländern höher als in Deutschland. Am niedrigsten ist die Quote EU-weit in Kroatien (19,8 Prozent), Luxemburg (20,7 Prozent) und Zypern (22,5 Prozent).

Im weltweiten Durchschnitt zahlen die Unternehmen 43,1 Prozent.

Ein Grund für die hohe Belastung der deutschen Mittelständler ist eine Änderung der Abschreibungsregel, der sogenannten degressiven Abschreibung für Wirtschaftsgüter. So konnten Unternehmen kostenintensive Anschaffungen zum Großteil direkt nach dem Kauf abschreiben, um so die Steuern zu senken. Das Auslaufen dieser deutschen Regel hat die Unternehmen im internationalen Vergleich stärker belastet.

Ein weiterer Grund für das Studienergebnis ist, dass nicht nur die direkten Steuern auf das Unternehmen gewertet wurden, sondern auch alle anderen Steuern und Abgaben, die die Firma leisten muss. Die Anteile von Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung machen im Schnitt 22 Prozent der Gewinne des fiktiven Modellunternehmens in der PwC-Studie aus. Weitere 23 Prozent machen die eigentlichen Unternehmensgewinne, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag aus. Berücksichtigt wurden hier auch versteckte Steuern wie Energiesteuer, Grundsteuer, Versicherungssteuer und Lkw-Maut.

Dass Beiträge in Deutschland an vier Sozialversicherungen abgeführt werden müssen, kostet die Unternehmer in weiterer Folge hunderte Stunden Arbeitsaufwand. Diese Steuerbürokratie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um elf Stunden auf insgesamt 218 Stunden.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Europa >

DWN
Politik
Politik Lieferkettengesetz scheitert vorerst im EU-Rat - Wirtschaft erleichtert
29.02.2024

Das EU-Lieferkettengesetz scheitert vorerst erneut im EU-Rat. Der deutsche Mittelstand kann sich darüber freuen. Zuletzt hatte es an dem...

DWN
Politik
Politik Nimmt Putin auch noch Moldau ins Visier? Separatisten in Transnistrien bitten Russland um Schutz
28.02.2024

Lange schon befürchtet EU-Beitrittskandidat Moldau eine russische Aggression im Separatistengebiet Transnistrien, das an die Ukraine...

DWN
Politik
Politik Expertengutachten: Bürokratie und KI-Angst hindern Deutschland bei Forschung & Entwicklung
28.02.2024

Wie ist es um den Standort Deutschland in Sachen Wissenschaft und Technologie bestellt? Jährlich gibt es dazu ein Gutachten, das diesmal...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien-Trading: So funktionieren Long- und Short-Wetten
28.02.2024

Beim Aktienhandel können Anlegern einzigartige sowohl von steigenden als auch fallenden Kursbewegungen profitieren. Der folgende Artikel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstands-Krise: Innovationskraft lässt zu wünschen übrig
28.02.2024

Die Innovations-Anstrengungen der KMUs stagnieren seit geraumer Zeit und bremsen damit mittelfristig die Wirtschaft. Vor allem der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energiepreisentwicklung in Deutschland: So viel muss ein Durchschnittshaushalt mehr bezahlen als vor drei Jahren
28.02.2024

Strom, Heizen, Tanken - die Preise liegen nach einer Expertenanalyse deutlich höher als vor drei Jahren. Für Verbraucher wie Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Signa-Pleite: Sind 680 Millionen Euro Steuergelder für Galeria Karstadt Kaufhof futsch?
28.02.2024

Die Folgen der Pleite von Signa und des Immobilienimperiums rund um den österreichischen Investor Réne Benko zieht weitere Kreise....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Verbraucher im Winterschlaf: Umsatz der Möbelhersteller bricht ein
28.02.2024

Bei der Anschaffung von Möbeln waren die Verbraucher 2023 sehr knauserig. Das Geschäft mit Wohnmöbeln lief deutlich schlechter als im...