EU will Kroatien-Beitritt, um Deutschland zu schwächen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
21.02.2013 01:53
Deutschland wird durch den von der EU forcierten Beitritt Kroatiens Sitze im EU-Parlament verlieren. Der Macht-Verlust von Europas größtem Nettozahler kommt Brüssel gelegen. Gesetze können so leichter gegen den Willen Deutschlands beschlossen werden.
EU will Kroatien-Beitritt, um Deutschland zu schwächen

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell:

Bundestags-Vize Thierse: Lobbyismus ist eine gute Sache!

Der Eintritt Kroatiens in die EU führt zu einem Anstieg der Abgeordneten im EU-Parlament. Kroatien stehen 12 Plätze zu. Um die festgelegte Zahl der Abgeordneten im Parlament aber nicht zu überschreiten, müssen die Mitgliedsländer die Zahl ihrer Abgeordneten reduzieren. Deutschland soll mehr Abgeordnete nach Hause schicken als alle anderen.

Bei den kommenden Wahlen des EU-Parlaments im Sommer 2014 werden gemäß dem Lissabon-Vertrag inklusive des Präsidenten 751 Abgeordneten-Sitze vergeben. Angesichts des im Juli 2013 erfolgenden Beitritts Kroatiens in die EU bedeutet dies jedoch einen Verlust von Sitzen für einige EU-Mitglieder wie Deutschland bei der Wahl des EU-Parlaments. Denn Kroatien stünde es nach dem EU-Beitritt zu, 12 Sitze mit eigenen Abgeordneten zu stellen.

Derzeit besteht das EU-Parlament inklusive des Präsidenten aus 754 Abgeordneten. Mit einer Besonderheit: Deutschland stellt 99 nationale Abgeordnete für das Parlament, wie ursprünglich im Vertrag von Nizza vorgesehen. Dem Vertrag von Lissabon zufolge, der den Vertrag von Nizza ablöste, sind seit 2009 nun jedoch maximal 96 Sitze für ein Land vorgesehen. Die Verspätung bei der Ratifizierung des Lissabon-Vertrages hatte zur Folge, dass Deutschland 99 Abgeordnete für das Parlament wählte. Damit stellte das Land drei Abgeordnete mehr als aktuell vorgesehen. Und aufgrund des Kroatien-Beitritts wächst die Zahl der Abgeordneten ab Juli 2013 zusätzlich auf 766 an – 16 im Lissabon-Vertrag festgehalten.

Aus diesem Grund haben die Abgeordneten des Ausschusses für konstitutionelle Fragen im EU-Parlament nun mit 21 zu 0 Stimmen und einer Enthaltung einem Entwurf zur Verringerung der Parlamentssitze zugestimmt, so der EUObserver. Der Entwurf sieht vor, dass einige Länder auf Sitze im EU-Parlament verzichten müssen. Während 12 Länder auf jeweils einen Sitz verzichten sollen, soll Deutschland drei Sitze abgeben, um der Obergrenze von 96 Sitzen für ein Land zu entsprechen. Der Entwurf wird nun den EU-Staats- und Regierungschefs vorgelegt, die diesem einstimmig zustimmen müssen. Im Anschluss daran geht er an das EU-Parlament, das anschließend darüber als Ganzes entscheiden muss.

Dieser aktuelle Entwurf ist jedoch nicht ohne politische Tragweite. So gab es beispielsweise bei der Entscheidung im Ausschuss, ob Schweden oder Österreich einen Sitz abtreten müssen, nur eine knappe Mehrheit von 10 zu 9 Stimmen für Schweden als Leidtragenden. Kritik dürfte auch von deutscher Seite kommen. Zwar verliere Deutschland, so die Abgeordneten des Ausschusses, lediglich die Sitze, die ihm dem Lissabon-Vertrag zufolge gar nicht mehr zustehen. Doch mit Blick auf die zunehmende Osterweiterung der EU, auch beispielsweise hinsichtlich des bald möglichen Eintritts Island, zersplittert das Parlament stetig, was zu schwierigeren Entscheidungsfindungen führen wird. Ganz abgesehen davon, dass drei Sitze weniger für Deutschland in dieser drohenden Zersplitterung auch einen deutlichen Einflussverlust für das Land im EU-Parlament darstellt. So kritisiert etwa auch das deutsche Verfassungsgericht, dass das System durch das mehr an Vertretern kleinster Länder der EU ein demokratisches Defizit schaffe, so der EUObserver.

Die Sitzvergabe im Parlament folgt im Großen und Ganzen dem Prinzip der so genannten degressiven Proportionalität. So erhalten größere Staaten im EU-Parlament zwar mehr Abgeordneten-Sitze, aber die kleineren Länder haben genau gesehen mehr Abgeordnete pro Einwohner. Während beispielsweise Malta über 6 Sitze verfügt, hat Deutschland 99. Gemessen an der Bevölkerungszahl vertritt ein deutscher Abgeordneter im EU-Parlament jedoch 833.000 deutsche Einwohner und ein Abgeordneter Maltas hingegen 67.000 Einwohner. Dem EUObserver zufolge wollen sich die Abgeordneten des Parlaments aber nicht auf eine ganz strikte Umsetzung der Verteilung der Sitze nach der degressiven Proportionalität einlassen. Dann nämlich müssten Frankreich (+4), Großbritannien (+3) und Spanien (+3) eigentlich mehr Sitze erhalten als bisher. So dass davon auszugehen ist, dass mit Blick auf die zunehmende Osterweiterung der Entwurf des Parlaments-Ausschusses auf möglichen Widerstand bei den Staats- und Regierungschefs stoßen wird.

Weitere Themen

ARD und ZDF drehen Kabel-TV den Hahn ab: Chaos empört Kunden

US-Konzern beleidigt französische Arbeiter, weil er keine Subvention bekam

Strippenzieher Goldman Sachs: 50 Treffen mit der Bundesregierung



DWN
Politik
Politik SYRIEN AKTUELL: Erdogan-Armee erobert Assads wichtigste Nachschublinie

Die Syrische Nationale Armee, die von der Türkei unterstützt wird, hat die strategisch wichtige Stadt Saraqib erobert. Damit ist es ihr...

DWN
Politik
Politik Linke stellt Strafanzeige gegen Merkel wegen US-Tötung von Soleimani

Die Linke hat Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der Tötung des iranischen Generals Soleimani durch die USA angezeigt.

DWN
Politik
Politik Südamerika: Hunger und Elend erreicht man auch ohne Krieg

Mehrere der großen Staaten Südamerikas machen vor, wie man in kurzer Zeit Wohlstand beziehungsweise Hunger und Elend erreicht. Wo es...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzkrise im Libanon gerät außer Kontrolle: IWF entsendet Notfall-Team nach Beirut

Der Libanon steht nach einer wochenlangen wirtschaftlichen und politischen Krise vor dem Kollaps. Der IWF will eingreifen, die an der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Virus-Krise erfasst immer mehr Unternehmen - eine Übersicht

Die Virus-Krise erfasst immer mehr Unternehmen: Ob gestrichene Gewinnziele, Einstellungsstopps oder Schutzausrüstung für Mitarbeiter....

DWN
Deutschland
Deutschland Zahl der Verkehrstoten sinkt auf historischen Tiefstand

Im letzten Jahr sind in Deutschland 3.059 Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Damit erreicht die Zahl der...

DWN
Politik
Politik Stoppt das Corona-Virus die Sitzungen des EU-Parlaments?

Erste Stimmen werden laut, die Sitzungen des Europaparlaments wegen des Coronavirus ausfallen zu lassen.

DWN
Politik
Politik Athen reagiert auf Ausschreitungen gegen Migranten-Lager auf Ägäisinseln

Nach schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und aufgebrachten Einwohnern hat die Regierung in Athen am Donnerstag reagiert.

DWN
Politik
Politik Deutschlands neue Machtpolitik: Kooperation oder Hegemonie?

Die DWN sprachen mit dem geopolitischen Experten und Buchautor Erhard Crome über Deutschlands außenpolitische Ambitionen, sein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Unternehmen in China leiden schwer unter Coronavirus

Wegen der Corona-Krise erwartet fast jedes zweite deutsche Unternehmen in China einen Einbruch der Einnahmen im zweistelligen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bauindustrie geht mit vollen Auftragsbüchern ins Jahr 2020

Die deutsche Bauindustrie erwartet für das aktuelle Jahr steigende Umsätze. Die Auftragsbücher der Betriebe sind nach wie vor prall...

DWN
Deutschland
Deutschland Die Fleischsteuer wird kommen: Deutsche, zurück zum Sonntagsbraten

Die Einführung einer Fleischsteuer ist mehr als wahrscheinlich. Künftig könnte bei vielen Deutschen - wie in früheren Zeiten - Fleisch...

DWN
Politik
Politik Erdogan: “Wir sind dazu verdammt, in Syrien einzugreifen”

Der türkische Präsident Erdoğan hat eine Reihe von Gründen aufgezählt, warum seiner Meinung nach die Türkei “dazu verdammt” sei,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland verbietet Import von chinesischem Kaviar

Die russische Aufsichtsbehörden haben den Import von chinesischem Kaviar verboten.

celtra_fin_Interscroller