Finanzen

Euro-Rettung: Big Business für Berater auf Steuerzahler-Kosten

Lesezeit: 2 min
18.12.2013 15:22
Unternehmensberatungen und Wirtschaftsprüfer haben an der Euro-Krise mehr als 80 Millionen Euro verdient. Sie erhalten die Aufträge ohne öffentliche Ausschreibungen. Die Politik unternimmt nichts gegen Interessenskonflikte und Insiderhandel. Ein Dutzend Firmen haben ein De-facto-Monopol auf Euro-Rettungsaktionen. Aus dieser Position heraus setzten sie Politik und Notenbanken unter Druck.
Euro-Rettung: Big Business für Berater auf Steuerzahler-Kosten

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80 Millionen Euro mussten Steuerzahler aus den Euro-Rettungsländern an Wirtschaftsprüfungsunternehmen zahlen. Ein ausgewählter Kreis von rund ein Dutzend Firmen hat ein De-facto-Monopol auf Euro-Rettungsaktionen. Sie kommen ohne öffentliche Ausschreibung an die lohnenden Aufträge. Interessenskonflikte aufgrund von Verknüpfungen ihrer Tätigkeit in Investmentfonds werden selten berücksichtigt.

Einer der „Big Four“ der weltweiten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – Deloitte, Ernst & Young, KPMG, PricewaterhouseCoopers (PwC) – ist so gut wie immer involviert. Die vier stellen Subunternehmen ein, die so auch Zugang zu Insider-Informationen erhalten. Diese Informationen können nach der Beratungstätigkeit noch zusätzlich Geld einbringen.

Ein Beispiel, wie diese Unternehmen arbeiten, zeigt der Fall Alvarez und Marsal. Das New Yorker Beratungsunternehmen verdiente massiv an der zypriotischen Rettungsaktion, insgesamt weit mehr als sechs Millionen Euro. Bei einer internen Prüfung der Notenbank Zyperns stellte sich allerdings heraus, dass Alvarez und Marsal für große Teile des Auftrags gar nicht in Frage kommen durften.

Die Chronologie des Skandals: 1,1 Millionen Euro bekam das Beratungsunternehmen für die Bewertung der Bank of Cyprus. Außerdem wurde eine Vorauszahlung von 250.000 Euro geleistet für die Fortführung der Arbeit im Jahr 2013.

Als im Dezember 2012 Zypern für seinen Bail-out kämpfen musste, nahm Notenbankchef Panicos Demetriades Alvarez und Marsal in die engere Wahl für neue Verträge. Das tat er im Wissen, dass der Bank-Vorstand es für „ausgeschlossen“ halte, die Beratungsfirma zu beauftragen. Aufgrund ihrer bereits vollzogenen Bewertung der Bank of Cyprus seien „Interessenskonflikte“ gegeben.

Alvarez und Marsal bekamen trotz der Bedenken zwei neue Verträge. Anfang 2013 gab es weitere 1,2 Millionen Euro für die Analyse der Rekapitalisierungspläne der zypriotischen Banken. 3,3 Millionen Euro gab es für die Hilfe bei der Umstrukturierung der Bank of Cyprus selbst und der Laiki Bank.

Ohne Wissen des Vorstandes erhielten Alvarez und Marsal von Notenbankchef Demetriades eine geheime Zusage über weitere 15 Millionen Euro, berichtetet EUObserver. Auf Zypern wurden zeitgleich private Spareinlagen über 100.000 Euro beschlagnahmt.

Demetriades berichtete später, er sei vom Chef von Alvarez und Marsal, Hal Hirsch, unter Druck gesetzt worden. Wenn er die Honorarvereinbarung von 15 Millionen nicht unterschreibe, werde das gesamte Team von Alvarez und Marsal am Höhepunkt der Krise aus Zypern abgezogen.

Nach Bekanntwerden aller Details verzichtete die Alvarez und Marsal auf einen Großteil der 15 Millionen Euro und stellte – unabhängig von den bereits gezahlten Forderungen – nur noch 4,75 Millionen Euro in Rechnung. Die zypriotische Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Untersuchungen eingeleitet.

Verträge ohne öffentliche Ausschreibung sind kein Einzelfall, wie ein Blick nach Irland zeigt. Kurz nachdem 2011 die Irische Zentralbank um einen Bail-out über 85 Millionen angesucht hatte, engagierten sie BlackRock Solutions. Sie ist die Beratungsabteilung der US-Firma BlackRock, einem der weltweit größten Vermögensverwaltungsfonds.

30 Millionen Euro erhielt BlackRock Solutions, um die irischen Banken durch die Krise zu bringen. Doch das Beratungsunternehmen hat die Gewinnprognosen der Banken falsch berechnet. Es versprach der Irische Zentralbank für die Jahre 2011 bis 2013 – selbst im Worst-Case-Szenario – Gewinne bis 1,9 Milliarden Euro. Bis Juni 2012 gab es allerdings nur Gewinne in Höhe von 0,4 Milliarden Euro.

Irische Abgeordnete vermuteten daraufhin Insiderhandel bei BlackRock. Das Unternehmen hatte nämlich sehr gute Kenntnisse der Situation in Irland – auch vor dem Vertrag im Januar 2011. Zur gleichen Zeit hatte das Kundengeschäft der Muttergesellschaft BlackRock in Irland nach eigenen Angaben einen Wert von mehr als fünf Milliarden Euro, das Geschäft mit „Vermögen mit Sitz in Irland“ einen Wert von 162 Milliarden Euro.

Kurze Zeit später kaufte BlackRock drei Prozent der Bank of Ireland – eine der Banken, die die Tochter BlackRock Solutions zuvor einem Stresstest unterzogen hatte.

Irische Politiker gaben zu, dass das Auswahlverfahren „nicht ideal“ lief. Finanzminister Michael Noonan sagte 2011, dass eine öffentliche Ausschreibung wegen dem Druck der Troika vermieden wurde. Notenbank-Gouverneur Patrick Honohan gab zu, dass beim Auswahlverfahren gehetzt wurde.

In Griechenland erhielt BlackRock Solutions einen ähnlichen Auftrag im Wert von 12,3 Millionen Euro. Die Amerikaner sollten Unteraufträge an die „Big Four“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vergeben. Da die Stimmung in Griechenland bereits so aufgeladen war, verwendete BlackRock Solution den falschen Namen „Solar“ und rekrutierte 18 bewaffnete Sicherheitsleute, um die Arbeit überhaupt aufzunehmen zu können.

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