Weidmann: Deutliche Warnung vor dem Inflations-Gespenst

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
12.02.2013 01:42
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat in ungewöhnlich deutlichen Worten davor gewarnt, den Euro künstlich abzuwerten. Ein deutlicher Anstieg der Inflation wäre die Folge. Er machte deutlich, dass Italien in den siebziger Jahren mit dieser Politik eine Inflationsrate von 17 Prozent verursacht hätte. Deutschland hätte zur selben Zeit eine Inflation von 4 Prozent gehabt.
Weidmann: Deutliche Warnung vor dem Inflations-Gespenst

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell:

Fed: Wir werden weiter Geld in den Markt pumpen

Der innereuropäische Streit um den starken Euro geht weiter und wurde am Montag um eine Facette reicher: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann lehnte bei der Walter-Eucken-Vorlesung in Freiburg eine von den Franzosen (hier) geforderte, künstliche Abwertung ab. Weidmann sagte, dass „die einschlägigen Indikatoren trotz der jüngsten Aufwertung des Euro keine gravierende Überbewertung signalisieren“. Daher solle sich die EZB nicht als Manipulator betätigen. Weidmann: „Erfahrungen vergangener politisch herbeigeführter Abwertungen belegen, dass sie in aller Regel zu keinem nachhaltigen Gewinn an Wettbewerbsfähigkeit führen. Häufig sind immer neue Abwertungen nötig. Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird.“

Weidmann verwies in diesem Zusammenhang auf die Lage in Italien in den siebziger Jahren: „Auch die sogenannte Ehe zwischen der Banca d’Italia und dem italienischen Finanzministerium war in dieser Hinsicht keine glückliche Beziehung. Von 1975 bis 1981 war die Banca d’Italia verpflichtet, italienische Staatsanleihen zu kaufen, die am Markt nicht abgesetzt werden konnten. Auch wenn Korrelation keine Kausalität bedeutet, ist doch bemerkenswert, dass während dieser Liaison die Staatsverschuldung von 18 auf 100 Billionen Lire stieg und die jährliche Inflation durchschnittlich fast 17 % betrug – zum Vergleich: Deutschland hatte in diesem Zeitraum etwa 4 ½ %, die Schweiz nur 3 % Inflation.“

Übermäßige Staatsverschuldung stellt für Weidmann „eine massive Gefahr für die Preisstabilität dar“. Eine wirksame Begrenzung der Staatsverschuldung sei „somit ein elementarer Pfeiler einer Politik des stabilen Geldes“. Die Währungsunion als Stabilitätsunion erfordert daher solide Staatsfinanzen.

Weidmanns Rede schickte den Euro umgehend auf einen neuen Höhenflug. Der starke Euro ist für die deutschen Exporte zwar ein Problem. Er ist jedoch ein viel größeres Problem für die Franzosen und die anderen Südländer. Die Entwicklung der Industrie-Produktion zeigt, dass Deutschland mit einem starken Euro deutlich besser leben kann als Frankreich.

Weidmann plädierte in seiner Rede interessanter Weise für eine stärkere nationale Anstrengung, um die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften sicherzustellen. Zwar hält er eine europäische Fiskal-Union für theoretisch denkbar, allein, es scheint ihm der Glaube zu fehlen, dass die Südländer jemals die fiskalpolitische Disziplin aufbringen werden, die eine solche Union erfordert.

Weidmann: „Entweder verlagern wir im Rahmen einer Fiskalunion Kontroll- und Eingriffsrechte auf die europäische Ebene, oder wir stärken, im Sinne einer Rückkehr zum Maastricht-Rahmen, wieder die Haftung und Eigenverantwortung der Mitgliedstaaten. Dies bedeutet dann auch in letzter Konsequenz, dass Staatsinsolvenzen nicht ausgeschlossen werden können – und nicht ausgeschlossen werden dürfen. Im Moment ist jedoch nicht ganz klar, in welche dieser beiden Richtungen sich die Politik bewegt, sie scheint gefangen in einem Spagat – mit einem Bein in der Maastricht-Welt, mit dem anderen Bein in einer Fiskalunion. Auf Dauer ist ein solcher Spagat schmerzhaft und ungesund.“

Mit seiner klaren Position machte Weidmann deutlich, dass die Euro-Zone denkbar schlecht für den aktuellen Währungskrieg gerüstet ist. Es ist faktisch nicht möglich, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Staaten des Euro mit ein- und derselben Geldpolitik zu befriedigen.

Zu Ende gedacht laufen Weidmanns Positionen auf eine Zerschlagung der Euro-Zone hinaus. Denn der erst kürzlich vereinbarte Fiskal-Pakt ist im Grunde nichts anderes als eine theoretische Absichtserklärung. Die europäischen Südstaaten können aufgrund der dramatisch hohen Arbeitslosigkeit nicht anders, als weiter öffentliche Gelder in ihre Märkte zu pumpen.

Deutschland erweist sich in diesem Szenario als gefangen in den verschiedenen Realitäten: Schon heute würde auch Deutschland in einen erheblichen sozialen Unruhezustand verfallen, wenn hierzulande die Sozialleistungen so gekürzt würden, wie dies für die Konsolidierung der Staatsfinanzen nötig wäre. Bricht die Wirtschaft in der Euro-Zone ein, hätte dies auch für Deutschland höchst nachteilige Folgen.

Wenn jedoch die deutschen Vermögen durch eine beschleunigte Inflation vermindert würden, könnte dies für Angela Merkels Wiederwahl nachteilige Folgen haben. Daher versucht die Bundesbank, dass Thema Inflation zumindest bis nach der Bundestagswahl aufzuschieben. Ob die fragile Euro-Zone aber noch lange genug die Luft anhalten kann, weiß Weidmann auch nicht vorherzusagen.

Weitere Themen

Nordkorea meldet dritten Atomtest

Korruption: Von Monti eingesetzter Rüstungs-Manager festgenommen

Niederländischer Rechnungshof fordert scharfe Kontrollen für EU-Gelder


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Warum kauft die EZB im großen Stil Anleihen von Nicht-EU-Unternehmen?

Die Europäische Zentralbank hat zuletzt Anleihen in Milliardenhöhe von Unternehmen gekauft, die ihren Sitz gar nicht in der Eurozone und...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Explosion im Hafen von Beirut ist ein Schlag gegen Chinas Seidenstraße

Der Hafen von Beirut sollte aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle beim Aufbau der Neuen Seidenstraße und beim Handel mit Europa...

DWN
Finanzen
Finanzen Argentinien, Türkei und Libanon: Die drei apokalyptischen Reiter einer neuen Schwellenland-Krise

Seit Monaten schwelen in den drei Staaten erhebliche Wirtschafts- und Finanzkrisen. Dass sich Argentinien nun mit seinen Gläubigern auf...

DWN
Technologie
Technologie Rekord beim Marktanteil: Fachleute sehen Wendepunkt für E-Autos

Marktanteil der Stromer erreichte im Juli eine Rekordmarke von 11,4 Prozent. Fachleute interpretieren die Entwicklung als richtungsweisend.

DWN
Politik
Politik Neuer US-Botschafter: Merkel gibt mehr Geld für „muslimische Invasoren“ als für die Bundeswehr aus

Der designierte US-Botschafter in Deutschland, Douglas Macgregor, meint, dass die Bundesregierung mehr Geld für „Millionen...

DWN
Finanzen
Finanzen In Ankara herrscht Panik: Die Lira befindet sich in einem unkontrollierten Sturzflug

Die türkische Landeswährung befindet sich derzeit in einem massiven Sturzflug. Die Allzeittiefs zu Dollar und Euro wurden beide...

DWN
Finanzen
Finanzen JPMorgan: Ältere Kleinanleger kaufen Gold, jüngere kaufen Bitcoin

Das Verhalten von Kleinanlegern in den verschiedenen Altersgruppen unterscheidet sich erheblich, sagt die US-Investmentbank JPMorgan Chase...

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: „Mich nervt das Maske-Tragen auch manchmal“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigte die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. „Mich nervt das Maske-Tragen auch...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Einlagensicherung soll deutsche Banken retten

Die befürchtete Welle an Firmenpleiten infolge der Corona-Krise könnte deutschen Banken Probleme bereiten. Die deutsche Einlagensicherung...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Neue Ölpreis-Turbulenzen kündigen sich an: Folgt nun der nächste Preiskollaps?

Am Ölmarkt braut sich ein Angebotsüberhang zusammen, der bei Experten Erinnerungen an den dramatischen Preiskollaps vom April hochkommen...

DWN
Technologie
Technologie Smart City: Das große Wettrüsten der Berater mit den Hochglanz-Studien

Die Vorstellung von intelligenten Lösungen für die Stadt hat zu einem riesigen Boom von Beratungsangeboten mit teilweise verlockenden...

DWN
Politik
Politik Michelle Obama bedrücken Rassismus und Corona

Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und der anhaltende Rassismus in den USA machen der früheren First Lady Michelle Obama seelisch...

DWN
Politik
Politik Arbeitsrecht: Darf mein Arbeitgeber mich kündigen, wenn ich ohne Maske an einer Demo teilnehme?

Der aktuelle „Fall Joshiko Saibou“ hat die Frage aufgeworfen, ob ein Arbeitgeber eine fristlose Kündigung aussprechen darf, wenn einer...

DWN
Marktbericht
Marktbericht Dudenhöffer: Deutsche Autobauer steuern auf massiven Stellen-Kahlschlag zu, die einzig verbliebene Hoffnung heißt China

In Europas Automobilsektor bestehen einer Untersuchung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer zufolge massive Überkapazitäten, die sich...

celtra_fin_Interscroller