Deutschland

Hessischer FDP-Chef: Deutsche haben Problem mit asiatisch aussehendem Vizekanzler

Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn äußerte Zweifel, ob die deutsche Gesellschaft schon so weit sei, „einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“. Die bizarre Wortmeldung löste bei den hessischen Grünen eine nicht minder abstruse Replik aus. Beide Wortmeldungen zeigen: Die deutschen Politiker aller Parteien bleiben weit hinter den Möglichkeiten der Bürger zurück.
07.02.2013 23:04
Lesezeit: 2 min

In der FDP hat die Diskussion um Philipp Rösler einen noch tieferen Tiefpunkt erreicht. In einem Gespräch mit der Frankfurter Neuen Presse sagte der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn: „Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.“ Hahn ist Justizminister und Integrationsminister in Hessen. Später relativierte Hahn seine Äußerung halbherzig. Er sagte, er habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass es in der Gesellschaft einen „weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus“ gebe.

Die Opposition sprach von einer „hinterhältigen Attacke“. Dabei bekleckerte sich auch der Grünen Fraktionschef in Hessen, Tarek Al-Wazir, nicht mit Ruhm. Er fragte ob „ein Teil des Akzeptanzproblems von Philip Rösler in der FDP auch seine vietnamesische Herkunft ist?“

Beide Politiker beweisen mit ihren gedankenlosen Aussagen eines: Sie selbst bleiben deutlich hinter der Wahrnehmung des deutschen Wählervolkes zurück. Denn dass Rösler asiatisch aussieht, hat ihm bisher noch keiner zum Vorwurf gemacht. Herr Al-Wazir ist dafür zu rügen, dass er noch Öl ins Feuer gießt, nach dem Motto: Seht her, wer in Deutschland wie ein Asiate, Araber oder Kurde aussieht, kann in diesem Land nichts werden. Im Umkehrschluss: Wer als Asiate, Araber oder Kurde attackiert wird, wird nicht attackiert, weil er Unsinn sagt oder schlechte Politik macht, sondern weil er wie ein Ausländer aussieht. Bei den Juden spricht man hier vom Philosemitismus, und der gilt in der Antisemitismus-Forschung als ebenso diskrimierend wie der Antisemitismus.

Rösler ist deutscher Staatsbürger, daher ist es Unsinn, von seiner „vietnamesischen Herkunft“ zu reden. Die Grünen erweisen sich hier als besondere Brandstifter, weil sie aus politischem Eifer versuchen, aus jedem, der in eine multi-kulti Ecke passt, einen Märtyrer zu machen – gegen die angeblich vor Rassismus nur so triefenden Deutschen.

Deutschland zählt unter allen europäischen Ländern zu denjenigen, die am wenigsten rassistische Ressentiments aufweisen. In Deutschland gibt es vergleichsweise viel weniger Gewalt gegen Ausländer als in Frankreich. Rassistische Ausschreitungen gibt es auf italienischen Fußball-Plätzen (hier), in Deutschland protestieren die Fans nur, wenn ihnen das Abfeuern von Pyrotechnik verboten wird.

Philipp Rösler ist ein schlechter Parteivorsitzender, weil er nicht verbergen kann, dass ihm das ganze Parteien-Theater eigentlich tierisch auf die Nerven geht. Er will nicht führen, und das spürt man. Daher ist die FDP mit ihm als Chef schlecht beraten. Die Leute nervt sein biederer Ton, sein ewiges Abwiegeln und Beschönigen, seine eingelernten Phrasen. Er will nett seit – und wirkt langweilig. Das stört die Wähler – sonst nichts.

Aber im Grunde hat jede Partei den Chef, den sie verdient: Eine gesinnungslose Truppe wie die FDP (mehr hier) kann Wahlen nicht gewinnen. Mit Leuten wie Hahn hat sie es auch nicht verdient.

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