Griechenland: Schwere Ausschreitungen bei Demonstration

In Griechenland haben tausende Jugendliche gegen die Polizei und die Regierung demonstriert. Es kam zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei setzte Wasserwerfen und Tränengas ein.

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In Athen ist es am Samstag zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Nach einem Protestmarsch am Jahrestag der Tötung eines Jugendlichen durch die Polizei schleuderten Teilnehmer im Zentrum der Hauptstadt Brandsätze auf die Sicherheitskräfte und zündeten Geschäfte und Autos an. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, annähernd 100 Demonstranten wurden den Angaben zufolge festgenommen. Die Regierung hatte im Vorfeld des Jahrestages zur Ruhe aufgerufen.

Der Protestmarsch fiel auf den sechsten Jahrestag der Tötung des Teenagers Alexandros Grigoropoulos durch eine Polizeikugel. Der Vorfall im Jahr 2008 hatte zu schweren Unruhen im ganzen Land geführt.

Bei dem Marsch am Samstag hatten rund 6.000 Menschen auch ihre Solidarität für den 21-jährigen Nikos Romanos bekundet. Er sitzt wegen Raubes im Gefängnis. Seit dem 10. November ist er im Hungerstreik und will damit erreichen, an Lehrveranstaltungen der Universitäten teilnehmen zu dürfen. Die Regierung hat sich zwar dafür eingesetzt, dass Häftlinge grundsätzlich über Fernkurse an Seminaren der Unis dabei sein können. Romanos besteht jedoch auf eine persönliche Teilnahme im Hörsaal. „Ich werde nicht nachgeben. Meine Antwort ist: Siegen oder Sterben“, hatte er erklärt. Der 21-Jährige ist zwar in einem Krankenhaus. Nach knapp einem Monat Hungerstreik ist sein Zustand jedoch kritisch.

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Unruhen in Griechenland gegeben. Ein Hauptgrund dafür ist der scharfe Sparkurs der Regierung, der den Bürgern viele Entbehrungen abverlangt. Die Regierung hat indes wenig Spielraum, weil sie sich im Gegenzug für eine Rettung vor dem Staatsbankrott mit Milliarden-Hilfen von EU, EZB und IWF einem Spardiktat dieser Geldgeber unterwerfen musste. Griechenland möchte aus dem Hilfsprogramm aussteigen und sich damit auch aus den unbeliebten Haushaltskontrollen befreien. Es wird allgemein erwartet, dass Griechenland weiter in dem Programm verbleiben muss. Schulden und Arbeitslosigkeit sind höher als vor der „Rettung“ durch die EU, im Zuge derer 240 Milliarden Euro in die Banken des Landes gepumpt wurde.

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