Kunden stürmen Banken: Bulgarien muss Sparguthaben garantieren

Bulgarien sieht der Öffnung seiner Banken am Montag mit großer Nervosität entgegen. Nach zwei Bank-Runs innerhalb kurzer Zeit musste die Regierung am Sonntag formal die Sicherheit der Spareinlagen garantieren. Ob die EU Bulgarien in der Finanzkrise helfen kann ist unklar.

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Der bulgarische Präsident Rossen Plewneliew, hier mit José Manuel Barroso, könnte auf die Hilfe der EU angewiesen sein, wenn sein Land die akute Banken-Krise nicht in den Griff bekommt. (Foto: consilium)

Der bulgarische Präsident Rossen Plewneliew, hier mit José Manuel Barroso, könnte auf die Hilfe der EU angewiesen sein, wenn sein Land die akute Banken-Krise nicht in den Griff bekommt. (Foto: consilium)

Nach einem Kundenansturm auf zwei bulgarische Banken hat der Präsident des Landes eine Garantie für die Sparguthaben abgegeben. Die Beträge, die Bürger und Unternehmen bei den Banken angelegt hätten, seien sicher, sagte Rossen Plewneliew am Sonntag auf einer Pressekonferenz nach einem mehr als vierstündigen Treffen mit Vertretern der Parteien, der Zentralbank und dem Finanzminister. Die Institute würden ihren normalen Betrieb aufrechterhalten.

In Deutschland hatten zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück die Spareinlagen garantiert.

Eine solche Garantie ist in erster Linie eine politische Erklärung: Keine Regierung kann die Spareinlagen wirksam garantieren, weil die Summe zu hoch ist. Im Falle Bulgariens wäre es denkbar, dass die EU einspringt, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Das Land hat eine der geringsten Schuldenquoten in der EU, die Zentralbank wird von Finanzexperten als effektiv eingeschätzt, und die Währung ist an den Euro gekoppelt. Das Finanzsystem galt bisher als relativ stabil.

Eine der betroffenen Banken, die Corpbank hatte erst vor kurzem die Zustimmung der nationalen Zentralbank erhalten, die lokale Tochter der französischen Credit Agricole zu übernehmen. Sollte sich die Bank nicht aus ihrer Schieflage befreien können, wäre auch der französische Bankensektor betroffen.

Die Behörden des EU-Staates ermitteln nach eigenen Angaben wegen eines Angriffes auf die Bankenbranche. Kriminelle wollten demnach mit im Internet und über SMS-Botschaften verbreiteten Falschinformationen die Bürger dazu bewegen, ihr Geld abzuheben. Tatsächlich kam es bei der First Investment Bank und der Corporate Commercial Bank (Corpbank) zu einem Kundenansturm. Die Zentralbank übernahm daraufhin die Kontrolle über die Corpbank. Mit Spannung wird die Öffnung der Banken am Montag erwartet.

Die nationale Sicherheitsbehörde nahm nach eigenen Angaben fünf Verdächtige wegen des Falls fest. Einer von ihnen sei wieder freigelassen worden. Plewneliew sagte, bei der Verfolgung der Verantwortlichen müssten die Gesetze voll ausgeschöpft werden. Die Banken seien stabil, würden gut beaufsichtigt und verfügten über genügend Kapital. „Es gibt keine Bankenkrise.“ Das Staatsoberhaupt räumte allerdings ein, dass es eine Vertrauenskrise gebe.

Bulgarien ist eines der ärmsten EU-Länder ist und hat gewaltige Probleme mit Korruption und Vetternwirtschaft hat.

Die Vorgänge im Bankensystem treffen das Land in einer politisch ohnehin schwierigen Lage. Die von den Sozialisten geführte Regierung hat einen baldigen Rücktritt angekündigt. Als Termin für eine vorgezogene Parlamentswahl ist der 5. Oktober vorgesehen. Plewneliew kündigte nun an, das Parlament aufzulösen und am 6. August eine Übergangsregierung einzusetzen. Sie soll das Land bis zur Wahl führen.

Die Chronologie des bulgarischen Banken-Dramas:
Erster Bank-Run auf die Corpbank
Verstaatlichung und schlechte Nachrichten für Frankreich und Russland
Zentralbank vermutet Internet-Kriminelle als Urheber

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