Nächste Pleite in Portugal: Goldman Sachs muss Espírito Santo retten

Die Banken-Krise in Portugal sendet schneller als erwartet Schockwellen durch das Land. Nach der Holding der Banco Espírito Santo (BES) hat am Dienstag mit RioForte das nächste Unternehmen aus der Gruppe Insolvenz anmelden. Die Investment-Bank Goldman Sachs versucht, durch einen Einstieg die Bank zu retten. Der portugiesischen Telekom droht ein Milliarden-Verlust.

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Der gefürchtete Domino-Effekt in Portugal ist eingetreten: Zuerst geriet die Skandal-Bank Espírito Santo in die Krise. Danach musste die Holding Espírito Santo International Konkurs anmelden. Am Dienstag folgte die RioForte Investments SA, eine ebenfalls zur Familiengruppe gehörende Schattenbank. Die portugiesische Telekom droht ein Verlust von 847 Millionen Euro, die die RioForte der Telekom noch schuldet. Die Telekom will klagen, um an ihr Geld zu kommen.

Mit der Pleite der RioForte sind zwei von vier Unternehmen aus Portugals wichtigsten Firmengruppe pleite. Als nächste könnte es die ESFG betreffen, dann steht die Banco Espírito Santo allein da.

Anders als EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der die Sache am Montag aus Brasilien kommentierte und sagte, es gäbe keine Ansteckungsgefahr, warnte der portugiesische Präsident Anibal Cavaco Silva vor dem berüchtigten Domino-Effekt: Die Krise könne sehr wohl Auswirkungen auf die gesamte portugiesische Wirtschaft haben, sagte Silva am Montag.

Wie ernst die Lage ist, zeigt der Einstieg der Investment-Bank Goldman Sachs bei der BES: Die US-Bank kaufte im vor wenigen Tagen (am 15. Juli) 2,27 Prozent der Aktien, wie BES am Dienstag mitteilte. Einen Tag zuvor (14. Juni) hatte sich die Gründerfamilie von knapp fünf Prozent der Aktien getrennt. Wie BES weiter mitteilte, stieg auch der amerikanische Hedgefonds D.E. Shaw ein und kaufte 2,7 Prozent der Anteile. Ob Goldman und Shaw ihre Papiere von der Familie übernahmen, war zunächst unklar. BES war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Der Analyst Ciaran Callaghan von Merrion Capital in Dublin wertete den Einstieg als Vertrauensbeweis. Dies könnte dazu führen, dass weitere Interessenten an Bord kämen und das Kapitalpolster der Bank stärkten. „Es bleibt aber abzuwarten, ob diese neuen Investoren an BES als Unternehmen interessiert sind und ihr Engagement langfristig ist“, sagte Callaghan.

Tatsächlich dürften Goldman von interessierter Seite gebeten worden sein, einen Banken-Crash in Portugal zu verhindern. Goldman wird nun versuchen, eine Kapitalerhöhung mit anderen Banken und Schattenbanken zu stemmen. Genug billiges Geld ist ja im Markt – dank der offensiven Geldpolitik von EZB-Chef Mario Draghi, dem früheren Top-Manager bei Goldman Sachs.

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